Spielort der Handlung ist der kaiserliche Palast im China des 3. vorchristlichen Jahrhunderts, Zeitpunkt der Handlung der Tag vor dem Beginn des Baus der großen Mauer, die das Reich ein für alle Mal gegen Angriffe von außen schützen und jede Veränderung verhindern soll.

Ein letzter in China noch übriggebliebener Oppositioneller, Min Ko, die „Stimme des Volkes“, dessen aufrührerische Sprüche im Volk umgehen, wird verfolgt. Verhaftet wird dann aber ein Mann, der sich dadurch verdächtig macht, dass er dem Kaiser nicht zujubelt und nach dessen Vorbeizug nicht über ihn lästert. Der Grund: Der Mann ist stumm. Mit dieser Klarstellung vermögen die zwei „Heutigen“, 2020 lebende junge Menschen, aber nichts auszurichten gegen den Kaiser, der sich derart durch das Schweigen provozieren lässt, dass er selbst alle im Volk kursierenden und angeblich von Min Ko stammenden Anschuldigungen gegen seine Person herausschreit.

Getroffen von der Verachtung der Prinzessin, der jungen Tochter des Kaisers, die ihnen Feigheit vor der Macht vorwirft, entschließen die Heutigen sich, selbst auf die Gefahr des Todes hin, die Wahrheit zu sagen, die heutige Wahrheit, die Wahrheit im Zeitalter der atomaren Bedrohung und des Klimawandels.

Ihre Rede mündet in der apokalyptischen Ausmalung einer toten Erde. Aber statt der Henkersschlinge bekommen sie eine goldene Kette um den Hals gelegt: Der Kaiser verleiht ihnen den großen Staatspreis, weil sie es verstanden hätten, den „Tyrannen jenseits der großen Mauer die vollkommene Wahrheit zu sagen“, nämlich „was dieser Welt bevorsteht, wenn sie es wagen sollte, unser Feind zu sein“.

Frisch lässt eine Vielzahl historischer und literarischer Gestalten aus allen Epochen auftreten. Sie dienen im Rahmen der chinesischen Haupthandlung dem Nachweis der scheinbar ausweglosen Tatsache, dass die Mächtigen noch nie auf die Stimme der Vernunft gehört haben und dass die Bedürfnisse der Individuen im entscheidenden Moment stets missachtet worden sind. So sagen die Heutigen beispielsweise zu Napoleon:

„Die Sintflut ist herstellbar. Sie brauchen nur noch den Befehl zu geben. Das heißt: Wir stehen vor der Wahl, ob es eine Menschheit geben soll oder nicht. Wer aber hat diese Wahl zu treffen? Die Mensch­heit selbst oder – Sie?“

Die Personen der chinesischen Haupthandlung und die Heutigen sprechen Prosa. Die historischen Gestalten, etwa Romeo und Julia und Brutus, lässt Frisch durch die Einarbeitung von Zitaten bzw. Stilimitationen Verse der deutschen Shakespeare-Übersetzung sprechen.

Zur Inszenierung

Diese Inszenierung möchte vor allem Frischs Appell zur Rettung der Erde in den Fokus rücken. Wir leben heute in einer Zeit, in der für das vergangene Jahr rund 374 politische Konflikte weltweit zu verzeichnen waren, davon wurden mehr als die Hälfte gewaltsam ausgetragen. Zwar hat sich die Menschheit schon fast an die atomare Bedrohung gewöhnt, dafür sieht sie sich aber 2020 mit den Anzeichen einer umfassenden Klimakatastrophe, zunehmendem Rassismus und immer stärker sichtbar werdendem Antisemitismus konfrontiert. Die Min Kos dieser Welt werden nach wie vor unter Hausarrest gestellt, selbst in Europa werden Zeitungen zensiert, nur gut ein Viertel der Weltbevölkerung lebt in Staaten, die nicht hinrichten.

Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, wurden für diese Inszenierung die Texte des „Heutigen“ entsprechend umformuliert, die Rolle außerdem „verjüngt“ und auf eine Schauspielerin und einen Schauspieler verteilt.

Da das Stück überwiegend nach Brecht inszeniert ist, muss dieser auch selbst auf der Bühne erscheinen und das Geschehen kommentieren. Weitere historische und literarische Figuren wie Jeanne d’Arc, Galileo Galilei, der „Steppenwolf“ Harry Haller, Romulus der Große und Amy Winehouse, die weitestgehend in Originalzitaten sprechen, wurden eingebaut - zum einen um zu zeigen, dass Geschichte nicht mehr so weitergetrieben werden darf wie bisher, zum anderen will die Inszenierung Mut machen zum eigenen Denken und Handeln, zum Streben über das Vorhandene hinaus, trotz der niederschmetternden Erfahrung des meist „Immergleichen“.

In diesem Sinne sagt Columbus, dessen vermeintli­ches Indien man Amerika getauft hat: „Noch ist Indien, das ich meine, nicht entdeckt“, und auf die zweifelnde Frage Don Juans hin präzisiert er: „Auch Euch, mein junger Mann verbleiben noch immer die Kontinente der eigenen Seele, das Abenteuer der Wahrhaftigkeit. Nie sah ich andere Räume der Hoffnung“.

Die Bühne wird dominiert von einer gewaltigen Mauer. Diese Mauer, die dem Stück den Titel gibt, soll – wie jede Mauer - als ein besonders absurdes Monument unumschränkter Machtentfaltung, als Denkmal des Wahns erscheinen.

 


 

Kalender


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22. Dezember
Unterrichtsende: 11.10 Uhr


Mittelstufentheater:
Aufführung in der Karlsburg
am 1. Februar


18. Februar:
Tag der offenen Tür und
Informationen zur Anmeldung
in Klasse 5


Oberstufentheater:
Aufführung in der Karlsburg
am 29./30. März


24. Mai: Schulkonzert
im Festssal der Karlsburg