Zur Gründung des Durlacher Gymnasiums

Die Gründung des Durlacher „Gymnasium illustre“ im Jahr 1586 ist ursächlich verbunden mit dem Umzug der Markgrafen von Baden-Durlach von Pforzheim in ihre neue Residenzstadt Durlach im Jahr 1565. Die zunächst nach Pforzheimer Vorbild eingerichtete „Mittelschule“ wurde aus dem Ertrag des ehemaligen Klosters Gottesaue finanziert und bot begabten Jungen Unterricht in Religion, Latein und Griechisch. Noch unter der vormundschaftlichen Regierung für Markgraf Ernst Friedrich wurde die Mittelschule durch Stiftung eines „Gymnasium illustre“ im Jahr 1583 ausgebaut und im Jahr 1586 konnte das Gymnasium nach Fertigstellung des neuen Gebäudes Am Zwinger den Unterrichtsbetrieb aufnehmen. Die neue Schule war zu jener Zeit eines von vier Gymnasien im Bereich des Oberrheins (neben Pforzheim, Schlettstadt und Straßburg). In Struktur und Unterrichtsfächern wie Unterrichtsinhalten orientierte es sich an den Grundsätzen, die der Humanist und Schulreformer Johannes Sturm namentlich in Straßburg formuliert und umgesetzt hatte. Es kann also davon ausgegangen werden, dass auch in Durlach die sich aus Humanismus und Reformation ergebenden Grundsätze der moralischen und religiösen Ausbildung des Menschen im Mittelpunkt standen und neben den alten Sprachen vor allem Dialektik, Rhetorik, Theologie, Philosophie den Schwerpunkt bildeten.

Das Durlacher Gymnasium reiht sich ein in eine regelrechte „Gründungswelle“ von Gymnasien im 16. Jahrhundert. Weit über 100 solcher Bildungseinrichtungen wurden zwischen 1500 und dem Ende des Jahrhunderts gegründet (im Vergleich hierzu: ca. 15 Schulen im 14. Jahrhundert). Sie sind Ausdruck eines neuen Bildungsverständnisses, das sich im Humanismus der Renaissancezeit herausgebildet hat. Die Rückbesinnung auf die Autoren der Antike, die Konzentration auf das Individuum und auch die Heraus-bildung seiner Persönlichkeit seit der Kindheit waren Kennzeichen eines neuen Bildungsideals, das die Umwidmung bestehender Schulen und die Gründung neuer Bildungseinrichtungen beflügelte. Das Studium der klassischen Autoren sowie die Herausbildung der persönlichen Fähigkeit zur gelehrten Beredsamkeit in der Disziplin der „Rhetorik“ sind wichtige Bestandteile der neuen Bildung.

Nicht minder bedeutsam für den Aufschwung im Bildungswesen war die Reformation. Luthers Mahnung „An die Ratsherrn aller Städte deutschen Landes, dass sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen“ entwirft ein reformatorisch geprägtes Bildungsprogramm, das auch von der Absicht geleitet ist, dass die Menschen aus eigener Lektüre der Heiligen Schrift Gottes Wort unvermittelt aufnehmen können und nicht auf die Vermittlung durch die Autorität der Amtskirche angewiesen sind. Die protestantischen Landesherren nahmen den Gedanken auf, zumal sie als Häupter der neu entstehenden Landeskirchen hierfür die natürliche Verantwortung besaßen. Dass Ernst Friedrich im Laufe seiner Herrschaftszeit vom lutherischen zum reformierten Bekenntnis wechselte, änderte hieran im Grundsatz nichts.

Der Ausbau der Landesherrschaften, der sich seit dem Spätmittelalter im Bereich des Heiligen römischen Reiches deutscher Nation abgezeichnet hatte, verstärkte sich im Zuge der Reformation. Die Tatsache, dass bis zum Einsetzen der Gegenreformation der größte Teil der Landesherren, deren Territorium im Bereich des heutigen Deutschland lag, sich der Reformation angeschlossen hatte, war nicht allein in der Überzeugungskraft der neuen lutherischen Lehre begründet. Mit der Durchführung der Reformation in ihrem Herrschaftsbereich erhielten die Landesherren einen bedeutenden Machtzu-wachs, einerseits durch die ihnen zufallenden aufgelösten Klöster und Kirchengüter, andererseits durch ihre von Luther selbst geförderte Stellung in der Landeskirche und für die Übernahme neuer, auch sozialer Aufgaben. Landesherrliche Oberbehörden entstanden oder wurden ausgebaut, so für geistliche Angelegenheiten oder für die Verwaltung des zunehmend arrondierten Herrschaftsgebiets. Das hierfür notwendige Personal bedurfte, ebenso wie die Pfarrer der neuen Glaubensrichtung, einer gehobenen Schulbildung, so dass auch aus diesem Grund die Zahl der Bildungseinrichtungen stieg.

Die Bedeutung des Buchdrucks auf die Entwicklung des Schulwesens im 16. Jahrhundert darf nicht unterschätzt werden. Die Erfindung des Johannes Gutenberg ermöglichte die vergleichsweise kostengünstige und schnelle Versorgung der Bildungseinrichtungen mit Büchern. So brauchte ein Schreiber etwa drei Jahre für die Abschrift einer Bibel, im Druckverfahren konnten im selben Zeitraum fast 200 Exemplare hergestellt werden. Werke von geringerem Umfang konnten entsprechend schneller und günstiger verbreitet werden. Die Ausstattung der neuen Schulen mit Büchern und anderen Druckwerken konnte dadurch wesentlich beschleunigt werden. Das bedeutete die Ausstattung mit Wissensgrundlagen, die auch für den Bildungsschwerpunkt der enzyklopädischen Bildung eine unabdingbare Voraussetzung waren.

Über die Anfänge des Schulbetriebs im neu errichteten Gymnasium illustre ist wenig bekannt, immerhin kennen wir die Namen der ersten Schulleiter. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass es schon bald große Unruhe im Schulbetrieb gab, weil der Wechsel des Markgrafen vom lutherischen zum reformierten Glauben auch Auswirkungen auf die Auswahl des Lehrpersonals sowie auf die Bildungsinhalte hatte, zumal eine wesentliche Aufgabe der neuen Schule die Ausbildung der Pfarrer war. Der dreißigjährige Krieg hinterließ durch die von Durlach erlittenen Zerstörungen sowie das damit verbundene Elend tiefe Spuren auch in der Schule. Immerhin konnte im Jahr 1686 auf das erste Jahrhundert des Bestehens zurückgeblickt werden.

Nur vier Jahre später war das stolze Gebäude nur noch eine Ruine. Im pfälzischen Erbfolgekrieg legten französische Truppen nach der Zerstörung der Pfalz auch die rechtsrheinischen Städte in Schutt und Asche. Im August 1689, nachdem bereits Pforzheim und Bretten zerstört worden waren, wurde nun das vorher von der Bevölkerung geräumte Durlach fast vollständig niedergebrannt, auch das Gymnasium illustre. Die Wiederaufarbeiten zogen sich hin, der Markgraf verlegte seine Residenz in das von ihm erbaute Karlsruhe und bildete auch dort ein Gymnasium. In Durlach verblieb als „Paedagogium“ ein reduziertes Gymnasium, das erst im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wieder aufgewertet wurde und endlich, im Jahr 1907, wegen seiner auch zahlenmäßig gestiegenen Bedeutung, einen Neubau auf dem Gelände des ehemaligen markgräflichen Schlossgartens erhielt. Dort, im heutigen Schulgebäude an der Gymnasiumstraße, wird weiterhin die Tradition des altehrwürdigen „Gymnasium illustre“ gepflegt.

 

Kurzchronik des Markgrafen-Gymnasiums für die Jahre 1689 - 1996

  • 1697 Neues Durlacher Schulgebäude im so genannten Mauerloch.
  • 1699 Schule im Gasthaus „Zum Rappen“.
  • 1705 Wieder Gymnasium mit 5 Klassen und über 200 Schüler.
  • 1724 Gymnasium wird in die neue Residenz des Markgrafen nach Karlsruhe gelegt, zurück bleibt das Pädagogium Durlach mit 2 Klassen und 2 Lehrern.
  • 1781 Verlegung des Pädagogiums in das „Pädagogiathaus“ in der Pfinztalstraße 61: Pädagogium als Lateinschule mit 3 Klassen und 3 Lehrern.
  • 1837 Mit dem Pädagogium wird eine höhere Bürgerschule verbunden.
  • 1878 Neubau der Vereinigten Schulen Durlach (heute Friedrich-Realschule), in die das Pädagogium übersiedelt. Seit 1879 Pro- und Realgymnasium mit sechs Klassen und 115 Schülern.
  • 1902 Real-Gymnasium mit 7 Klassen.
  • 1905/07 Bau des jetzigen Gymnasiums in der Gymnasiumstraße. Gleichzeitig Erhebung der Anstalt zu einem humanistischen Gymnasium mit einer Realabteilung.
  • seit 1908 Vollanstalt mit 9 Klassen und 244 Schülern.
  • 1939/40 Bezeichnung „Markgrafen-Oberschule für Jungen“, 12 Klassen, 286 Schülern.
  • Ab 1.9.46 Wiederaufnahme des Unterrichts mit 21 Klassen, 562 Schüler. Bezeichnung: Realgymnasium Karlsruhe-Durlach.
  • 1950 Neben dem alt- und neusprachlichen Zug ein mathematischer und naturwissenschaftlicher Zug ohne Latein.
  • 1953 Aufstockung eines Teils des Gebäudes mit fünf neuen Klassenräumen.
  • 1954 Bezeichnung: Markgrafen-Gymnasium Karlsruhe-Durlach.
  • 1960 Errichtung eines Schulpavillons mit 2 Klassenzimmern.
  • 1964 27 Klassen, 862 Schüler; zusätzlich in der Schloßschule 4 Zimmer.
  • 1966 Übernahme von 8 Räumen der bisherigen Handelschule.
  • 1996 Bauliche Erweiterung auf die verbliebenen Räume der Gewerbeschule.
     

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Abschlussfeier zum Abitur
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